Staatsfinanzen und Offshore Finanz
In ihrem Buchkapitel analysiert Andrea Binder, wie Offshore-Finanzdienstleistungen die Grundlagen staatlicher Finanzen verändern und welche Folgen dies für Steuerpolitik und staatliche Legitimität hat.

In diesem Buchkapitel im Leviathan, Sonderband 43/2025 (Politische Theorien öffentlicher Finanzen), untersucht Andrea Binder die Auswirkungen von Offshore-Finanzdienstleistungen auf staatliche Finanzen aus einer geldtheoretischen Perspektive. Der Beitrag argumentiert, dass Geldschöpfung ein zentrales, oft unterschätztes Element staatlicher Finanzierung ist und dass Offshore Finance diesen Prozess nachhaltig verändert.
Ausgehend von einer Analyse von Offshore-Banking und Offshore-Steuerplanung zeigt das Kapitel, wie grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen zugleich Steuereinnahmen mindern, die Steuerlast verschieben und neue Formen staatlicher Finanzierung jenseits nationaler Bank- und Steuersysteme ermöglichen. Offshore Finance wirkt damit ambivalent: Sie untergräbt bestehende Steuer- und Bankenpakte, eröffnet Staaten aber zugleich Zugang zu internationaler Liquidität und erlaubt eine Politik jenseits transparenter demokratischer Aushandlung.
Langfristig, so das Argument, betrifft Offshore Finance weniger die reine Ressourcenmobilisierung des Staates als vielmehr seine politische Legitimität. Das Kapitel leistet damit einen Beitrag zur politischen Theorie öffentlicher Finanzen und verbindet Debatten zu Geld, Staatlichkeit und globaler Finanzarchitektur.